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Handwerksliebe

Aktualisiert: Apr 13

Moin Moin,

geht zu jeder Tages und Nachtzeit in meiner liebsten Heimat im hohen Norden, dem schönen Hamburg, wo ich ursprünglich herkomme. Ich möchte den ersten Blog Eintrag dazu nutzen, um Dir meine Geschichte der Entstehung des Brands Nina Nolepa Hair & Make-up design zu erzählen.

Mit 21 bin ich der Liebe wegen (die nicht mehr aktuell ist, wie Du dir denken kannst), ins facettenreiche Ruhrgebiet nach Recklinghausen gezogen. Hier angekommen stellte sich sehr schnell heraus, was einem hier für Möglichkeiten durch die vielen angrenzenden Städte geboten werden. Ich arbeitete zuerst im Anstellungsverhältnis, aber mir war schnell klar, da ich aus einem selbstständigem Elternhaus komme, dass eine Selbstständigkeit für mich unausweichlich ist. Ich wollte dies aber nie zu schnell! Wollte erst noch mehr handwerkliche Erfahrungen sammeln und mir das kaufmännische Hintergrundwissen aneignen.


Das tat ich 8 Jahre später. Ich meldete mich auf der privaten Meisterschule Harder in Duisburg, in Vollzeit an und beendete in einer Rekordzeit von 4,5 Monaten die Meisterschule. Aber das langte mir trotzdem immer noch nicht, um den letzten Schritt zu tun. Ich erinnere mich daran als wäre es erst gestern gewesen, wie mein Dozent und Leiter der Meisterschule, Herr Harder, zum Abschluss des letzten Schulungstag uns fragte: „Und was wollen Sie jetzt mit der bestandenen Prüfung und dem errungenen Meistertitel anfangen? Wie ist Ihr Plan?" Alle erzählten von ihren Plänen: der Aufbau ihres eigenen Betriebes (manche hatten teilweise schon ein Ladenlokal besichtigt) oder dem Einstieg in den elterlichen Betrieb, welcher erstmal auf links gekrempelt werden sollte, um ihn moderner zu gestalten…Schmückten es visuell aus, hatten einen Plan….Und ich…? Was mache ich…? Er fragte nun mich und ich konnte nur antworten: „Nun Herr Harder ich gehe erstmal in meinen alten Betrieb Cabelo nach Münster zurück, wo ich die letzten 8 Jahre gearbeitet habe.“ Er klatschte vor Begeisterung in die Hände! Ich war völlig irritiert, weil ich es nicht verstand, da alle den ultimativen Masterplan hatten. Und was war mit mir? Nix!!! „Warum möchten Sie das so handhaben Frau Nolepa?“ Meine Antwort: „Nachdem ich mir all das Hintergrundwissen, bzw. einen Bruchteil davon hier angeeignet habe, weiß ich jetzt erst was all das wirklich bedeutet und ich weiß nicht ob ich mir den Mist antun möchte! Der Fleiß, der Verzicht, die Risiken….“.

Weißt Du eigentlich wie viele Friseurgeschäfte es in Deutschland gibt? Ca. 80.000 tausend laut Statistik. Wie groß ist die Anzahl der Mitbewerber, war ich dafür wirklich schon bereit? Nein! Ich brauchte mehr Erfahrungswerte, die ich mit dem neuen geschulten Auge jetzt vielleicht noch besser wahr nehmen konnte…Und so ging ich wieder zurück zu Cabelo, wo ich jeden Tag beobachten konnte, wie perfekte Firmenabläufe funktionieren. Richtiges führen und Schulen von Mitarbeitern, Marketingabläufe, Werbung usw.

Wir wurden 2008 als bester Salon Deutschland / Österreich weit ab 10 Mitarbeitern ausgezeichnet. Das hieß für mich im Umkehrschluss, dass ich zukünftig erstmal jeden Tag auf einer Schulung sein konnte. Und so sog ich alles in mich auf, bis ins letzte Detail. Auf diesem Wege möchte ich mich nochmal ganz persönlich und von ganzem Herzen bei Dir liebste Christel Vieth und dem kompletten Team Cabelo bedanken, denn Ihr wart meine wirklichen Ausbilder! Sowohl auf der handwerklichen als auch der kaufmännischem Ebene.


2013 entschied ich mich dann die Selbständigkeit langsam vorzubereiten und da kam ein Jobangebot von einem Friseur aus Herten, der mich als leitenden Meister einstellen wollte, gerade recht. Ich wusste, dass ich einen Betrieb in Recklinghausen gründen wollte und dass eine Neugründung an eine der angrenzenden Städte leichter wäre und so sagte ich zu. Dort wurde ich nach 2 Jahren gekündigt. Was ein ganz neuer Erfahrungswert für mich war, da ich das bisher nicht kannte und es nagte erstmal ein klein wenig an meinem Ego. Aber nun ja, was soll ich Dir sagen, rückwirkend betrachtet war es nicht nur das Beste was mir passieren konnte, sondern ich habe auch dort zwei ganz entscheidende, grundliegende Dinge über die Selbstständigkeit gelernt:

Erstens: Mitarbeiterpflege! Ohne Dein Team bist Du NIX! Welcher Unternehmer das noch nicht verstanden hat, für den tut es mir leid, denn mit der Einstellung wird man auf lange Zeit nicht weiterkommen! Wenn ich einige Unternehmer sagen höre „Ach ich hab schon wieder Ärger mit DEM PERSONAL“, weiß ich wie sein Führungsstil und die Einstellung zu seinen Mitarbeitern ist, nämlich nicht wirklich gut. Mit einem dominanten, autoritären Führungsstil erreichst Du nur eins, Angst! Und wenn Du Angst hast bist Du unsicher, bist Du unsicher passieren Fehler, Fehler schaden dem Betrieb und der handwerklichen Umsetzung, usw.! Du verstehst die Quintessenz aus dem Ganzen? Ich hasse das Wort PERSONAL! Ich habe Mitarbeiter, die mit mir jeden Tag auf‘s Neue zusammen arbeiten, um ein angenehmes Betriebsklima aufrecht zu erhalten, gute handwerkliche Arbeiten umzusetzen und mir so helfen meinen Lebenstraum zu verwirklichen! Denn nur wenn Du etwas wirklich gerne machst, kannst Du es auch wirklich gut machen und dafür sind Faktoren wie persönliches Wohlbefinden, Wertschätzung, Umgang und Arbeitsklima unglaublich wichtig!

Einer meiner Lieblingszitate dazu: „Der Fisch fängt am Kopf an zu stinken!“ Also behandle Deine Mitarbeiter und ebenso Deine Kunden gut! Denn prozentual zahlt jeder einzelne Dein Gehalt und das darfst Du niemals vergessen.

Zweitens: Die Führung eines Unternehmens. Bist Du nachlässig und ruhst Dich auf dem geleisteten Erfolg aus, bildest Dich und Deine Mitarbeiter nicht weiter und vernachlässigst Deine Kunden, wird das ebenfalls nix. Mein Lieblingszitat hierzu: „Wenn der Löwe satt ist, jagt er nicht mehr.“. Fazit: Arbeite jeden Tag an Deinem Lebenstraum weiter! Egal wie gut es läuft, reinvestiere in Dein Unternehmen, in Deine Mitarbeiter und wachse jeden Tag ein bißchen mehr.

All die gesammelten Erfahrungswerte, sowohl aus meinem Elternhaus, den Betrieben in den denen ich gearbeitet habe, egal ob gut oder schlecht, ich habe überall was mitgenommen und versucht meine Erfahrungswerte bestmöglich zu meiner eigenen Lebenseinstellung zu vereinen.


Am 01.04.2015 habe ich angefangen mein Unternehmen zu planen und meine eigene Gewerbefläche zu suchen. Fakt war: So schnell findest Du keine passende Gewerbefläche Nina! All die Kriterien für ein gutes Ladenlokal mit einem guten Standort zu vereinen, waren erstmal eine Herausforderung, die eins brauchte und das war Zeit. Und die hatte ich nicht, da meine ersten Stammkunden nach ca. 3-4 Wochen wieder bedient werden mussten und ich wollte sie um jeden Preis halten. Außerdem war meine persönliche Zielsetzung, dass ich das Ganze ohne Kredit von der Bank schaffte und so fing ich an zu überlegen, was ich tun könnte. In Großstädten gibt es Konzepte der sogenannten Stuhlmiete und ich dachte mir „why not?“. Also rief ich alle möglichen Unternehmer in ganz Recklinghausen an und fragte nach, ob ich mich vorübergehend einmieteten könnte, um so meine Stammkunden zu halten. Nach langem herumtelefonieren fand ich eins….Endlich…ich konnte weiter planen. Schrieb meinen Business Plan, bekam die staatlichen Zuschüsse und fing an zu arbeiten. Auch wenn ich in dem eingemieteten Unternehmen erst ab 17.00Uhr arbeiten konnte und nur Montags ganztägig, oder mein Name draußen nirgends stand… Es war mir egal, da ich wusste, dass es nur vorübergehend war. Aus vorübergehend wurde ein gutes Jahr und dann ging es auch nicht mehr, da meine eigene Auftragslage zu groß und das Organisieren zu schwer wurde und ich den ersten Mitarbeiter brauchte. Ich suchte vergebens, ich hatte zwei Zusagen und diese zwei Zusagen wurden jedes mal kurz vorher zunichte gemacht. Ein Auf und Ab der Gefühle. Kannst Du Dir vorstellen wie geil das ist, wenn Du einen Tag bevor die Bau,- bzw. Umbaumaßnahmen Deiner fest angemieteten Gewerbefläche losgehen sollten, Du wirklich alles organisiert und bestellt hast, sowohl Handwerker, Inventar, Produkte und Co. und Du den Anruf von der Immobiliengesellschaft bekommst, dass das leider nicht geht, da es gar kein Nutzungsanrecht für gewerbliche Vermietung gibt? Und das obwohl alles professionell mit der Immobiliengesellschaft abgesprochen und schriftlich festgehalten wurde… Buchstäblich wurde ich im wahrsten Sinne des Wortes im Regen stehen gelassen, da am nächsten Tag meine Waschtische geliefert wurden, direkt zur neuen Immobilie und es regnete. Nun saß ich da, auf der gelieferten Ware, die ich provisorisch mit Müllbeuteln abgedeckt hatte, um auf meinen Bekannten zu warten der mir die Ware abtransportieren und einlagern wollte…Heiter weiter sag ich da nur an der Stelle…. Zwei Wochen später kam eine Kundin zu mir, die selber auch Friseurin ist und ich erzählte ihr von meinem Dilemma. Wie es der Zufall so will hatte sie direkt eine Idee. „Warum schaust Du Dir nicht die kleine Fläche da oben am Steintor an, da wo der Parkplatz ist?“ Ich konnte das Objekt gar nicht zuordnen, obwohl ich selbst aus Recklinghausen komme. Aber nun ja, was hatte ich nach dem ganzen Desaster noch zu verlieren? Und so bin ich direkt nach meinem Feierabend hingefahren, um mir vor Ort ein Bild zu machen. Nun stand ich da, sah den Laden….Ein ehemaliges Friseurgeschäft, von dem ich bis dato nix wusste….Und man kennt seine Mitbewerber im Umkreis, das kannst Du mir glauben. Als ich rein sah war ich total erschrocken. Die Immobilie stand wohl schon länger leer, war total verbaut und nun ja was soll ich Dir sagen, die Backsteinfassade und der Außenansicht haben mich jetzt auch nicht wirklich vom Hocker gerissen. Kategorie „Ruhr- Pott- Schick“ sag ich da nur. Aber die Miete war günstig, für Euch Girls direkt drei öffentliche große Parkplätze vor der Tür, denn wer hat schon Bock nach dem Friseurbesuch frisch gestylt, erstmal sein Auto zu suchen und es war nicht direkt in der Innenstadt. Zwei Tage später fand der Besichtigungstermin statt. Meine Freundin, die Architektin ist, und mein damaliger Partner haben mich begleitet, damit ich noch zusätzliche fachliche Meinungen bekommen konnte, gerade was den tatsächlichen Bauzustand der Immobilie betrifft. Was ich sah war ein kompletter Raum der mit Schrott und Müll gefüllt war.

Das so noch gearbeitet wurde war mir ein Rätsel.

Ich höre meine Freundin heute noch sagen als sie den Sicherungskasten sah, „Oh sowas antikes gibt es noch? Solche schmucken Modelle kenne ich nur aus den Schulbüchern!“. Umkehrschluss, die komplette Bude müsste neu verkabelt werden und noch so vieles mehr. Mir wurde von meiner Begleitung abgeraten das Objekt anzumieten. Ich dachte mir nur, ich kann definitiv nicht mehr so weiter arbeiten, brauche eigene Räumlichkeiten und da die Immobilie bereits ein Jahr leer stand, weil der Bauzustand viele abschreckte, war das eine gute Verhandlungsgrundlage… Klar war es ein Raum der mit unglaublich viel Schrott gefüllt war, aber das kann man alles umgestalten und das ist die beste Voraussetzung für ein gutes Verhandlungsgespräch und ich habe dementsprechend hoch gepokert! Wie sagt Schatzi immer: „Das Nein hast Du schon, das JA kannst Du bekommen!“ Und BÄM, ich bekam es! Zu fast all den gewünschten Konditionen! Und glaube mir es ist keine Selbstverständlichkeit, dass man so viel Glück hat, einen so kooperativen Vermieter zu bekommen, gerade was das gewerbliche Mietrecht betrifft, denn da ist einfach mal alles erlaubt! Also ging es jetzt los! So wirklich wirklich!

Lasst die Spiele des Chaos beginnen. Es startete nicht nur mit dem Wissen, dass die komplette Elektrik neu verlegt werden musste, wir 15m³ Tonnen Schrott rauskloppen mussten und nein warum sollten wir es denn auch dabei belassen?!? Schon als wir die ersten Tapeten runter holten, war darunter alles voll mit Schimmel!

Parallel kam uns, nachdem wir sechs Schichten Tapete mit Latexfarbe, in Konfettiarbeit runtergekratzt haben, der komplette Unterputz bis aufs Mauerwerk großflächig entgegen. Ich hab mir nur gedacht, dass das alles nicht wahr sein kann…Aber täglich grüßt das Murmeltier: eine Woche später, nachdem ich den nächsten Schimmelschaden im Fensterbereich entdeckt hatte, war ich mit der Hausverwaltung aufgrund meiner täglichen Anrufe der Schadensmeldung und den Handwerkern per Du. Ich glaube sie hassten mich, aber nun ja das konnte ja nun wirklich kein Mensch ahnen, oder doch?

Die Tage zogen sich und ich arbeitete 5 Wochen lang von morgens 6.00Uhr bis um 15.00Uhr auf der Baustelle aktiv mit…Stemmte Wände raus, riss Tapeten ab, verputzte und strich die Wände, riss die Bodenplatten ab, koordinierte handwerkliche Arbeiten, kümmerte mich um die ganzen Anmeldungen und Bestellungen usw… Um 15.00Uhr fuhr ich nach Hause, erledigte Papierkram, duschte, aß etwas, fuhr in den Betrieb zurück, um meine Kunden zu bedienen…und das fast jeden Tag bis open end! Dann hieß es Feierabend, nach Hause fahren und noch eine Stunde Schreibtischarbeit leisten, da ich zu diesem Zeitpunkt noch Kassenbuch geführt habe und die Buchhaltung stimmen musste! Und täglich grüßte das Murmeltier...every fucking day again. Nach ein paar Wochen, dem Ende nahe, stieß ich immer mehr an meine Grenzen. Wenn ich nicht so tolle Freunde gehabt hätte, die so oft sie konnten helfen kamen, hätte ich das niemals in der Zeit geschafft, eine komplette Kernsanierung umzusetzen! Ihr seid einfach die Besten und ich hab sehr großes Glück solch tolle Menschen an meiner Seite zu wissen! Und wir haben es geschafft!

Pünktlich zum ersten Arbeitstag im EIGENEN BETRIEB war es noch etwas chaotisch. Es waren unter anderem noch nicht alle Waren da, die Spiegel z.B. hatten einen Lieferverzug und so waren meine ersten Kunden gezwungen die blanke Wand bei Ihrem ersten Besuch bei mir anzustarren. Aber nun ja, was ist schon von Anfang an perfekt? Das wichtigste war ich konnte mein Handwerk im eigenen Laden endlich umsetzen. Und da ich treue Stammkunden (wie Dich vielleicht) seit Jahren habe, war das auch nur sekundär. Primär war es, dass ich endlich mein eigenes kleines Unternehmen hatte und ich planen, walten und agieren konnte wie ich es mochte. Meine Ideen die ich im Laufe der Zeit immer mehr visualisiert hatte, endlich umsetzen und so das Brand NN großziehen konnte!


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